Mein Freund Eric aus Kamerun war ein imposanter Mann. Scheitel und Zehenspitzen lagen etwa zwei Meter auseinander und außerdem war er ein austrainierter und äußerst kräftiger Athlet, der erfolgreich Volleyball spielte. Gegen ihn war ich ein kleiner Pinocchio. Das wurde vor allem dann deutlich, wenn er mich umarmte, was er immer tat, wenn wir uns begrüßten. Man sah mich in solchen Momenten hinter seinen mächtigen Armen sozusagen nicht mehr…;-)
Vor mittlerweile 14 Jahren war Eric für mich der ideale Mann für meinen Umzug von Wuppertal nach Leverkusen. Dass er allerdings meine Anfrage nicht abgelehnt hat, hat mich im Nachhinein sehr erstaunt. Doch davon später; denn erstaunt hat mich zunächst etwas anderes.
Zweimal fuhren wir mit noch einigen anderen Helfern von Wuppertal nach Leverkusen. Dazwischen hat Eric wohl mehr geschleppt als wir anderen zusammen. Doch auf den Fahrten ging es jeweils keine zwei Minuten… und Eric hat tief und fest geschlafen. Er wachte jedes Mal erst dann wieder auf, als der kleine Transporter angekommen ist und der Motor aus war!
Nachdem wir das zweite Mal in Leverkusen angekommen sind und Eric wieder die schwersten Teile allein geschleppt hatte, verabschiedete er sich etwas vorzeitig: er musste noch zu einem Bundesligaspiel. Nein, nicht als Zuschauer, sondern als Volleyballspieler…
Ich hätte es selbstverständlich nicht gewagt, Eric um Mithilfe bei meinem Umzug zu bitten, wenn ich schon vorher von dem Bundesligaspiel gewusst hätte. Als ehemaliger Leistungssportler wusste ich schließlich selbst um die hohe Bedeutung, die es hat, ausgeruht zum Wettkampf zu kommen.
Dadurch habe ich aber, quasi nebenbei, noch eine unvergessliche Lektion in Sachen Entspannung bekommen. Diese Fähigkeit war bei Eric offensichtlich weiter entwickelt, als bei irgendjemand sonst, der mir bisher in meinem Leben begegnet ist.
Mehr als vieles andere hat mich diese Geschichte auch gelehrt, wie bedeutsam es ist, dass gerade Spitzenleister, egal ob im Hochleistungssport, im Beruf oder wo auch immer, nicht nur lernen müssen, hart an ihrem Erfolg zu arbeiten bzw. zu trainieren. Genauso wichtig, vor allem wenn es um kontinuierliche Spitzenleistung geht, ist die Fähigkeit zur Entspannung. Ein Top-Performer zeichnet sich gerade durch diese Fähigkeit in hohem Maße aus. Sie ist entscheidend, wenn er auch im fortgeschrittenen Lebensalter noch Spitzenleistungen bringen und dabei gesund und vital bleiben will.
Markus Frey
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Mittlerweile ist das Jahr bereits wieder mehr als drei Wochen alt. Drei Wochen seitdem viele wieder neu gestartet sind. Neu gestartet mit guten Vorsätzen.
Erlauben Sie mir daher die etwas persönliche Frage, wie es Ihren guten Vorsätzen denn so geht. Sind Sie noch dran oder haben Sie sie bereits klammheimlich „entsorgt“? Wenn letzteres der Fall sein sollte, dann gehören Sie wohl der übergroßen Mehrheit derjenigen an, die an Silvester „gute Vorsätze“ fassen.
Natürlich, wir sind alle nicht perfekt und nicht alles gelingt. Doch wenn „gute Vorsätze“ geradezu traditionell Jahr für Jahr gebrochen werden und ebenso traditionell kaum den 2. Januar überstehen, dann hat das schon Folgen, insbesondere für unser Selbstbewusstsein. Immer und immer wieder senden wir dadurch unserem Oberstübchen die Botschaft, dass es sowieso „keinen Wert“ hat, sich etwas vorzunehmen. Schon gar nicht irgendwelche Probleme, die uns schon seit Jahren „stressen“. Unser Selbstbewusstsein in Bezug auf unsere Problemlösungskompetenz sinkt dadurch Jahr für Jahr ein bisschen mehr. Das bedeutet auch, dass wir Herausforderungen aller Art immer häufiger sehr negativ, d.h. als negativen Stress, erleben, weil wir ja schon von vorne herein „wissen“, dass wir es nicht packen werden, diese zu meistern. Und dann tun wir auch alles Mögliche, um dies auch noch vor uns selbst und anderen zu beweisen.
Besser, viel besser ist es, wenn Sie klare Ziele setzen. Was der Unterschied ist? Zunächst einmal der, dass ein Ziel einen viel größeren Verpflichtungscharakter hat, als ein blosser „guter Vorsatz“. Das zeigt sich z.B. daran, dass ein Ziel in der Regel auch schriftlich festgehalten wird, was die Erfolgswahrscheinlichkeit allein schon stark erhöht. Wenn Sie sich solch ein Ziel immer wieder vor Augen halten und/oder sich von Freunden regelmäßig daran erinnern lassen, erhöhen Sie nicht „nur“ Ihre Problemlösungskompetenz. Quasi nebenbei steigt auch Ihre Stresskompetenz, weil sie so immer häufigere Erfahrungen machen, dass das, was Sie in Angriff nehmen auch Wirklichkeit wird. Nicht immer, aber immer öfter.
Noch einige weitere Gedanken finden Sie auf meinem Youtube-Video vom 2.1.2012: „Gute Vorsätze – es gibt Besseres!“
Nein, einen fehlerlosen Bundespräsidenten brauche ich nicht. Aber einen souveräneren Bundespräsidenten hätte ich mir in der ganzen Geschichte schon gewünscht. Nicht einen, der in Panik gerät und von „Stahlgewitter“ schwadroniert, sondern einen, der auch dann weiß, was zu tun ist, wenn ihm der Wind ins Gesicht bläst.
„Angst ist ein schlechter Ratgeber“ weiß der Volksmund. Doch genau von diesem „Ratgeber“ ließ Christian Wulff seine Reaktionen (bzw. Nicht-Reaktionen) leiten. Sicher, vieles ist erklär- und verstehbar, denn die Angst war auch durchaus begründet. Andererseits war (wie so oft) letztendlich die Angst noch das weitaus größere Problem, als die Dinge, worauf sich Wulffs Ängste bezogen. Der frühere amerikanische Präsident Truman wusste wohl wovon er sprach, wenn er sagte: „The only fear to fear is fear itself“ (Die einzige Angst, die zu fürchten ist, ist die Angst selber.).
Es ist sicher richtig, dass der Bundespräsident in der ganzen Affäre alles andere als souverän reagiert hat und so auch wenig vorbildhaft war. Aber er hat auch, sozusagen modellhaft, gezeigt, wie sehr die Menschen in Deutschland von der Angst geprägt sind. Eine Prägung, die wahrhaft demokratisch ist, betrifft sie doch die Menschen einigermaßen unabhängig von ihrem sozialen Status. Sie betrifft die Menschen am Band genauso wie jene in den Vorstandsetagen von Politik und Wirtschaft. Und zwar so sehr, dass man schon von einem zentralen Wesenszug der Deutschen (und nicht nur der Deutschen, ich weiß) sprechen muss. Bereits im Jahr 2006 haben zwei Kölner Wirtschaftswissenschaftler den volkswirtschaftlichen Schaden der Angst mit rund 100 Milliarden Euro pro Jahr(!) beziffert.
Ein wesentlicher Aspekt dieser Angst ist die Angst vor Mobbing. Für ca. 1 Million Menschen in Deutschland ist sie sehr real. Für Personen des öffentlichen Lebens erweitert sich diese Angst zu einer Angst durch die Presse öffentlich noch viel nachhaltiger diffamiert und fertig gemacht zu werden. Diese Angst lähmt und/oder führt immer wieder zu äußerst schlechten Entscheidungen, wie wir es eben vorgeführt bekommen haben.
Klar, der Bundespräsident muss sich einige Fragen gefallen lassen. Und es war sicher nicht sehr klug, um nicht zu sagen dumm, dass er zu Beginn der Affäre so lange auf diese Fragen geschwiegen hat. Aber Fragen stellen sollten sich auch die Medien und die Konsumenten dieser Medien… wir alle. Zum Beispiel die Frage, warum wir es bei Personen des öffentlichen Lebens so oft nicht schaffen, einen Sachverhalt zu kritisieren ohne den Betroffenen so zu diffamieren und fertig zu machen, dass seine Chance, jemals wieder beruflich Fuß fassen zu können, so klein wie nur irgend möglich ist. Oder warum einerseits die Vertrauenswürdigkeit des Bundespräsidenten Dauerthema ist, der massive Vertrauensbruch, den es bedeutet, eine persönliche Mailboxnachricht öffentlich zu machen aber kaum jemanden interessiert. Oder warum die Salamitaktik Christian Wulffs viele, die Salamitaktik der BILD-Zeitung aber offenbar kaum jemanden aufregt.
Diese Dinge gehen weit über die „Affäre Wulff“ hinaus. Sie gehen auch über die Verhältnisse von Journalisten, Politikern, Wählern, Medien und Medienkonsumenten hinaus. Ich sehe die ganze Geschichte (und im Übrigen auch den Bundespräsidenten als Person) als prototypisch dafür, was in unserer gesamten Gesellschaft so abgeht. Eine Gesellschaft, die nicht nur den Politikern und den Angehörigen anderer Institutionen immer mehr misstraut, sondern in der sich die Menschen auch „unter Gleichen“ immer mehr misstrauen. Auch eine Folge davon, dass ein „taktisches Verhältnis zur Wahrheit“ wie es ein Journalist dem Bundespräsidenten vorwarf, wohl für die meisten Menschen gilt.
So what? Wenn wir wieder vertrauenswürdigere Politiker haben wollen, dann müssen wir alle wieder lernen, vertrauenswürdig zu handeln. Es muss wieder ein hoher Wert werden, dass Wort und Tat übereinstimmen, auch in den Familien, in den Klassenzimmern, auf den Sportplätzen, in Vertragsverhandlungen, beim Ausfüllen der Steuererklärung usw., bei vertraulichen Gesprächen. Wenn wir das nicht besser hinkriegen als wir es zur Zeit hinkriegen, dann werden wir nicht nur keine besseren Politiker kriegen. Dann wird auch weiterhin die Angst regieren. Mit weitreichenden Folgen für die Politik, für die Wirtschaft… und nicht zuletzt für unsere Gesundheit.
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„…fährt der Weihnachtsstress mir in die Glieder…“. Geht es Ihnen tatsächlich auch so? Mir selbst? Nein, offen gesagt nicht. Ich freue mich jedes Jahr auf Weihnachten. Wir erleben schon die Adventszeit in unserer Familie intensiv. An den Wochentagen freut sich mein kleiner Sohn immer, wenn er frühmorgens zu mir ins Büro kommt, nach seinem Adventskalendertürchen auch noch meines aufmachen und mir das Schokolädchen in den Mund stecken darf. Auch Plätzchen backen, Weihnachtslieder singen u.a.m. gehört dazu.
Ich denke diese wie auch andere Rituale tun uns allen gut. Sie verleihen Sicherheit und geben uns einen Rahmen, der uns zu mehr Gelassenheit im Alltag verhelfen kann, auch im Weihnachtsalltag. Ich weiß natürlich, dass viele das nicht so erleben, aber ich bzw. wir haben uns einfach entschieden, uns von der ganzen Weihnachtshektik nicht anstecken zu lassen. Ich denke, eine Strophe aus dem Lied „Es ist wieder Weihnachtszeit“ von den Wise Guys bringt es schön auf dem Punkt:
Wer’s hassen möchte: Bitte sehr!
Mir selbst bedeutet’s einfach mehr.
Bei Stress, Konsum und solchen Sachen
zwingt mich ja keiner, mitzumachen.
Auch Streitereien und Gefetz
sind kein Weihnachtsnaturgesetz.
Weihnachten ist, kurz zitiert,
das, was in deinem Kopf passiert.
In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs ein gesegnetes Weihnachtsfest,
Markus Frey
PS Wann haben Sie das, worum es an Weihnachten wirklich geht, die Weihnachtsgeschichte, zum letzten Mal gehört oder gelesen? Unter dem folgenden Link lese ich sie in einer modernen Übersetzung ("Hoffnung für alle") vor: Die Weihnachtsgeschichte
Es war kein Geringerer als Friedrich Nietzsche, der schon vor über 100 Jahren erkannt hat, wie bedeutsam es für die Belastungsfähigkeit eines Menschen ist, dass er sein Leben als sinnhaft erlebt. Er formulierte es in dem später berühmt gewordenen Zitat „Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie!“.
Einige Jahrzehnte später war es der berühmte Psychologe Viktor Frankl, der dieses Zitat immer wieder verwendete, um deutlich zu machen, dass es selbst in der menschenverachtenden Umgebung ein Konzentrationslagers des dritten Reiches immer ein „So oder So“ gab. Keineswegs sei der, der nach dem Sinn des Lebens Frage, krank, wie es Sigmund Freud einst meinte. Im Gegenteil. Das was den Menschen mehr als alles andere antreibe, sei sein „Wille zum Sinn“, so Frankl.
In den vergangenen Jahrzehnten gab es viele, teilweise berühmt gewordene Studien, die Frankls Erkenntnisse bestätigten. Vor allem Menschen, die in schwierigen Umständen gesund und belastungsfähig blieben, machten immer wieder und weitaus überdurchschnittlich oft deutlich, dass sie ihre Existenz, so schwierig die Umstände auch sein mochten, als sinnhaft erlebten.
Besonders deutlich wird die Bedeutung einer positiv bewerteten Sinnfrage bei Burnoutgefährdeten. In Umfragen sagten Direktbetroffene immer wieder, dass ihnen als erstes das Gefühl für den Sinn des Lebens im Allgemeinen und den Sinn ihrer Arbeit im Speziellen abhanden gekommen sei. Somit kann man mit Fug und Recht sagen, dass dieser Sinnverlust der Risikofaktor Nr 1 bei der Burnoutgefährdung ist.
Leider spielt diese schon seit Jahrzehnten bekannte Erkenntnis in der ganzen Diskussion rund um Burnout nur eine untergeordnete Rolle. Dies gilt sowohl in der Therapie als auch in der Prävention und erst recht in der öffentlichen Berichterstattung. Dabei ist es glasklar und wissenschaftlich vielfach belegt: wer in seinem Leben und Arbeiten einen Sinn gefunden und ihn auch in schwierigen Zeiten erhalten hat, lebt gesünder!
Längst nicht nur deswegen aber auch deswegen wünsche ich Ihnen eine be-Sinn-liche Weihnachtszeit,
Markus Frey
PS Am 15.12.2011 biete ich im Auftrag von Smile 2 das Webinar "Sinn, Werte, Ziele – und was das mit Stress und Burnout zu tun hat" an. Unter dem Link finden Sie weitere Informationen.
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